Feuerwerk im Kopf

Bombenangriff aufs Gehirn

Die Eindrücke in meinem Kopf, sie werden zu einem Bombenangriff auf mein Gehirn. Sie explodieren und implodieren – überflüssig zu erwähnen, dass sie das gleichzeitig tun, auch wenn das im Grunde nicht geht, hier tut es das. Ein Ort maßloser Übertreibungen, der pure Exzess, aber auch ein Schmelztiegel der Kulturen, Nationen und sozialen Schichten, wo viel Neues, Kreatives entsteht. Arm, reich, schwarz, weiß, gelb, Südamerika, Afrika, Asien, Europa, illegal, legal: Hier trifft alles und jeder aufeinander und reibt sich an diesem Ort der Eitelkeiten auf oder arbeitet sich im wahrsten Sinne des Wortes an ihm ab, um alles zu gewinnen oder eben zu verlieren.

“Do or die”

Es ist das archaisches Spiel des „do or die“, in dem jeder Teilnehmer sich selbst überlassen bleibt. Das macht die Faszination dieser Stadt aus, die man kopfschüttelnd akzeptiert und sich dennoch fassungslos staunend dabei ertappt wie man mit offenem Mund den Kopf in den Nacken wirft, um die endlosen Häuserwände entlang nach oben zu starren, oder die Protagonisten in dieser Show von einer Stadt, die Banker, Broker, Bettler und Bedürftigen, dabei beobachtet, wie sie sich fortwährend selbst vermarkten. „Good Job“, sagen diese Selbstdarsteller andauernd unter- und zueinander, um jeder noch so aussichtslosen, hoffnungslosen „Geschäftsidee“ ein Fünkchen an Monetarisierungs-Potential zuzuschreiben. Bei manchen hat’s geklappt, lehrt einen New York City, bei vielen nicht. Ich sage nur Immobilien- und Finanzkrise. Es kommt eben auf die „Story“ an. Und jeder hat eine Geschichte. Und irgendeine Geschichte ist immer der Anfang von etwas Großem in dieser Lotterie um den einen, den richtig großen Coup. Deshalb will alles und jeder hierher.

New York, das ist die “amorphe Masse” unter den Orten.

Platz

Auch wenn ich mich wiederhole, man kann es gar nicht oft genug sagen: Für diese Stadt gibt es keine Kategorie, keine Schublade. Wer versucht, New York irgendwie, irgendwo reinpacken zu wollen, der scheitert kläglich. New York ist was es ist. Keine Stadt, kein Planet – New York, das ist eine Galaxie, das Universum, die „amorphe Masse“ unter den Orten. Es ist konkurrenzlos. Selbst King Kong und Godzilla gingen vor New York und seinen irren Hochhäusern, die aussehen als könnten sie sich jeden Augenblick in die Transformers verwandeln, in die Knie.

Ein Mythos? Meinetwegen. Fakt ist, die Stadt wächst. Kontinuierlich. Dabei besteht sie nach wie vor aus den fünf bekannten „Boroughs“ Manhattan, Brooklyn, Staten Island, Queens und Bronx. Platz ist unter diesen Voraussetzungen Mangelware. Das merken wir auch im Hotel. Unser Zimmer ist derart durchoptimiert, dass mancher, auf Effizienz gepolter Unternehmensberater die Broad Street runter neidisch werden würde, wenn er sehen könnte, wie effizient Dusche, Klo und Schrank auf minimalen, noch geradeso akzeptablen 12 m2 – weniger Raum für zwei Personen käme einer Verletzung der Menschenwürde gleich – untergebracht sind und dabei auch noch gut aussehen. Es ist die perfekte Allokation von Ressourcen, zwischen die man dann auch noch ein Bett gepackt hat, in dem man – zu ZWEIT! – schlafen kann. Wer in New York City Platz schaffen kann, wo eigentlich keiner ist, der bringt es weit.

Ewiger Tempel der Verheißungen

Wahnsinn! Wir waren tatsächlich dort. In New York. Wir haben „es“ gesehen. Den Ort jener, die es geschafft haben, jener, die es nicht geschafft haben und jener, die gerade oder immer noch dabei sind, es zu versuchen. Hoffnung, Wünsche, Träume – kein anderer Platz der Welt kann davon mehr bieten als New York, der ewige Tempel der Verheißungen. Für die meisten bleiben sie unerfüllt.

Irre Hochhäuser, die aussehen als könnten sie sich jeden Augenblick in die Transformers verwandeln.
Irre Hochhäuser, die aussehen als könnten sie sich jeden Augenblick in die Transformers verwandeln.

 

 

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