Die “Fränkische” New Yorks

 

Central Park: Wiese ist das, wo jemand drauf sitzt

Genau: Central Park. Es ist Sonntag, Ausflugstag, das Wetter ist herrlich. Während wir zu Hause an solchen Tagen in die “Fränkische” oder ins “Jura” zum Wandern gehen, also das was die New Yorker wahrscheinlich Wildnis nennen, gehen die “Welthauptstädter” halt in den Park.  Aber: Dafür sind die Menschen mit dem Fahrrad unterwegs. Wir steigen am südlichen Ende in die „grüne Lunge“ ein, die gewissermaßen die „Fränkische Schweiz“ dieser Stadt ist, um bei diesem Vergleich zu bleiben.

 

Durch den Park führt eine Straße, die sonntags offensichtlich für den gewöhnlichen Straßenverkehr gesperrt ist. Deshalb tummeln sich zehn-, ach was, hunderttausende Jogger, Fahrradfahrer und Spaziergänger im Park auf dieser einen Straße, die nur entgegen des Uhrzeigersinnes befahren bzw. belaufen werden darf. Zumindest für die „sportlichen Verkehrsteilnehmer“, die Jogger und die Radfahrer, gibt es „Lanes“, für Fahrradfahrer sogar zwei davon, eine für langsame Radler, die andere, sozusagen die Überholspur, für die „Racer“. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass auf dieser letzteren Fahrbahn so gut wie alle Radler unterwegs sind. Etwas Anderes hätte ich von dieser Stadt auch nicht erwartet.

An uns flitzen Rennmaschinen, natürlich aus Carbon, vorbei,
die in der Anschaffung so teuer sind wie ein neuer Dacia Duster.

Wir nehmen auch an diesem Rennen teil, sind dafür aber mit unseren Stahlrössern und auf Grund unserer Kondition hoffnungslos unterlegen. An uns flitzen Rennmaschinen, natürlich aus Carbon, vorbei, die in der Anschaffung so teuer sind wie ein neuer Dacia Duster. Darauf sitzen gerne mal übergewichtige Männer, die am Wochenende verzweifelt jedes Kilo bekämpfen, um dann am Montag wieder ins nächste Kurs-Rennen im Büro einzusteigen. Aber es gibt auch durchaus ambitionierte Rennfahrer, wo man gerne hinschaut und sagt, sieht super aus. Die Einen wie die Anderen drehen Runde um Runde durch den Central Park. Die besten schaffen den schätzungsweise ca. 14 km langen Umlauf in gut 30 Minuten, bei freier Fahrt selbstverständlich.

An dieser Stelle beginnen für die Fußgänger die ganz persönlichen „Hunger Games“,
denn wer sich über die Straße wagt und den Radlern in die Quere kommt, der wird geopfert!

Die zu haben ist nämlich gar nicht so sicher, denn entlang der Straße, sind ganz normale Ampeln installiert, die auch funktionieren. Jahaaa! D.h. es wird auch mal rot und dann eben für die Fußgänger grün, was aber noch nicht heißt, dass die auch tatsächlich die Straße überqueren können. Da drüber zu gehen, ist ein waghalsiges, mitunter halsbrecherisches Manöver. Die meisten der ignoranten Hobby-Armstrongs im Geschwindigkeitsrausch überfahren die roten Signale nämlich einfach. An dieser Stelle beginnen für die Fußgänger die ganz persönlichen „Hunger Games“, denn wer sich über die Straße wagt und den Radlern in die Quere kommt, der wird geopfert! Oder man ist eben flink. Ein Selektionsprozess, der dem oben bemühten Bild der Wildnis doch sehr nahe kommt.

Schwarze, Hispanos und andere Ethnien sieht man an Wochenenden wie diesen hier wohl nicht so arg viele. Die leben in Bronx, Brooklyn oder Queens und kommen als Kindermädchen nur dann hierher, wenn die Weißen zur Arbeit gehen, nämlich werktags.

Sieht nicht aus wieder Central Park, er ist es aber.

Auf dem „Great Lawn“ versammelt sich unterdessen die New Yorker Mittelschicht. Davon aber so viel, dass man meinen könnte, „Simon & Garfunkel“ gäben hier gleich ihr zweites Central Park-Konzert. Die Grünanlage wird dabei überwiegend von Weißen bevölkert. Es sieht so aus, als ob es sich größtenteils um Ärzte-, Anwalts- oder Banker-Familien handelt. Schwarze, Hispanos und andere Ethnien sieht man an Wochenenden wie diesen hier wohl nicht so arg viele. Die leben in Bronx, Brooklyn oder Queens und kommen als Kindermädchen nur dann hierher, wenn die Weißen zur Arbeit gehen, nämlich werktags. Dann sehr gerne mit Kinderwägen, in denen die weißen Kinder ihrer Arbeitgeber drin liegen, während die weiße Miss sich die Nägel machen lässt oder im 200-Quadratmeter-Central-Park-West-Loft ein Anti-Stress-Bad nimmt und der Gatte an der Wall Street gerade die eine oder andere Million macht. Amerika ist ein freies Land. Und alle finden es ganz furchtbar, dass es nicht genügend Jobs gibt und dass so viele Menschen unterhalb des Existenzminimums leben.

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