Ungemütlich, aber großartig

 

Differenzen in der Restaurantkultur und auf der Straße

Abendessen in einem Restaurant in „Little Italy“. Das ist deshalb ungemütlich, weil ich schon – bevor wir das Essen überhaupt bekommen – weiß, dass es in Nordamerika NICHT üblich ist, nach dem Dinner noch ein oder zwei Stündchen sitzenzubleiben und den ein oder anderen Schoppen zu trinken. Damit ist meine Stimmung schon im Eimer, bevor ich ihr und dem Restaurant überhaupt eine Chance gegeben hab.

Date eins, Date zwei, Date drei und erst dann ….  na ja, was auch immer.

Um es klar zu sagen: Geselligkeit findet in New York, wo man so etwas „Socializing“ nennt, was wiederum irgendwie so technisch klingt als brauchte man dafür eine Installationsanweisung, nicht statt. Alles muss sich irgendwie einem Zweck unterordnen. Alles braucht Regeln. Date eins, Date zwei, Date drei und erst dann ….  na ja, was auch immer. Ich will es gar nicht wissen, welche „Gesetzmäßigkeiten“ dann greifen.

Und auch im Restaurant: Nach dem Essen einfach so dazusitzen, mit `nem Bierchen, Weinchen, Kaffee oder halt ganz einfach ohne Getränk und einfach miteinander zu “reden“, weil man halt miteinander reden will, das ergibt keinen Sinn. Es ist pure Zeitverschwendung. Hat man fertig gespeist, zahlt und geht man. Das ist effizient. Alles andere ist in den Augen der „Locals“ … frech? Man kann vielleicht noch mal tief Luft holen, danach erwartet das Personal aber eine zügige Räumung des Platzes.

Restaurantgäste in New York, die zu lange bleiben, sind totes Kapital.

Wann genau dieser Zeitpunkt gekommen ist, erkennt man daran, wenn der Kellner ungefragt die Rechnung auf den Tisch legt und die Gäste damit zum Gehen … ja, auffordert? Im Klartext: Vorne rum saufreundlich, tatsächlich aber wollen sie möglichst schnell an deine Moneten, geben dir danach dann einen sprichwörtlichen Arschtritt, bleiben dabei aber freundlich, was das Ganze noch schlimmer macht, um dich ebenso schnell wieder loszuwerden. Restaurantgäste in New York, die zu lange bleiben, sind totes Kapital. Und Zeitdiebe. Und so werden sie auch behandelt. Eine Unkultur. Wirklich. Die New Yorker finden das ok. Ganz ehrlich? Ich nicht.

Wir radeln im Slalom um die Löcher rum, manchmal auch durch sie hindurch,
was haarscharf in einem Beinahe-Sturz endet.

Straßen in New York City

Seine Großartigkeit relativiert New York auch mit dem Zustand der Straßen. Das stellen wir fest, als wir an Tag drei, das war ein Sonntag, den Central Park erkunden wollen. Bei der Fahrt durch die rumänischen Karpaten fühlt man sich – verglichen mit New York – wie auf einer bundesdeutschen Autobahn. Da rollt und läuft es. In New York? Stauseegroße Schlaglöcher, gefühlt so tief wie der Grand Canyon, und der Straßenbelag kommt eher einer holprigen Schotterpiste im afrikanischen Busch näher als einer städtischen Straße, wie wir auf dem Weg in den Central Park selbst erfahren und erfühlen. Wir radeln im Slalom um die Löcher rum, manchmal auch durch sie hindurch, was haarscharf in einem Beinahe-Sturz endet. Und auch bei den Autofahrern sorgt das mitunter für bizarre Bilder, wenn beispielsweise der Inhaber eines Lamborghini Gallardo versucht, diese „Unebenheiten“ im Schneckentempo – schneller fahren geht in New York sowieso nicht – zu überwinden, damit er ja nicht aufsetzt. Die Freude war auf meiner Seite. Ein Spaß! Heieiei!

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