Typen, die sich lautstark für den Messias halten

 

Energien treffen aufeinander und setzten ihre Kräfte frei

So ist das mit New York. Ein Platz der Gegensätzlichkeiten, der Kontraste, der grenzenlosen Verschwendung, der maßlosen Knappheit, des überschwänglichen Reichtums, der krassesten Armut. Wo solche Energien aufeinandertreffen und dabei ihre Kräfte freisetzten, muss freilich etwas Magisches passieren. Wir haben diesen, unseren magischen Moment in New York gesucht. Haben wir ihn gefunden? Ja und nein.

Highline Park, Blick auf die Westside, Manhattan, New York City

Alles und jeder ist im Grunde ein Produkt von sich selbst und ständig dabei, das „Ich“ zu optimieren.

Die Kunst ist, bei dem wenigen Platz, der den Menschen hier zur Verfügung steht, genügend Raum zu finden, sich selbst zu verwirklichen. Diese Selbstbezogenheit zeigt sich in den Straßenmusikern, die sich für ein paar Dollars irgendwo in den Subways die Seele aus dem Leib spielen, den Basketballspielern, den Typen vor der Treppe am Times Square, die sich lautstark als Wiedergeburt des Messias ausgeben und uns gleich mehrmals die Hölle auf Erden prophezeien, in diesem Sündenpfuhl von Stadt, dafür aber ernsthaft erwarten, dass diese erleuchtende Beratungsleistung honoriert wird; sie zeigt sich freilich auch in den Brokern und Bankern, die täglich den Kursen und Millionen hinterherjagen, den Händlern am Fischmarkt in China Town, den Fahrradkurieren, die, auch wenn es nicht so erscheint, im Grunde aber das reinste, das purste Kapitalismus-Destillat verkörpern, noch edler als die Finanzjongleure; sie zeigt sich auch in der alternativen Szene in Williamsburg, die wahrscheinlich längst weiß, dass sie der Gentrifizierung zum Opfer fallen wird, dabei mit den Schultern zuckt, schon mal zusammenpackt, um dann, wenn es wirklich soweit ist, einfach weiterzuziehen. Alles und jeder ist im Grunde ein Produkt von sich selbst und ständig dabei, das „Ich“ zu optimieren und damit, klar, Geld zu machen. Dabei ist alles bunt, eintönig, steril, dreckig, langweilig und abgefahren zu gleich. Wir können es nicht anders beschreiben, aber das ist New York so wie wir es gesehen und erlebt haben.

New York, dieses Faszinosum, dieses Kaleidoskop der Kuriositäten, es lässt uns nicht los.

Ja, die Stadt ist schön, verboten schön, auf ihre ganz besondere Art und Weise. Aber angesichts des Gigantismus wirkt sie auf uns verstörend und zu extrem, um wahr zu sein. Das ist sie aber: Realität. Alleine deshalb muss man New York einfach gesehen haben. Wir haben es getan. Diese eine Woche, sie reicht fürs Leben. Und trotzdem: New York, dieses Faszinosum, diese Kaleidoskop der Kuriositäten, das sich jeden Tag selbst neu erfindet, es lässt uns nicht los. Wir müssen wiederkommen!

 

© 2018 Ein MarketPress.com Theme